MENÜ

Die Orang.erie in Wien

Die Orang.erie in Wien

Daten

  • Bauzeit: November 2006 – Mai 2009
  • Leistungsumfang: Generalplanung inkl. örtlicher Bauaufsicht
  • Bauherren: Schönbrunner Tiergartengesellschaft (Direktion: Helmut Pechlaner, Dagmar Schratter)
  • Projektarchitekt: Klaus Fessl
  • Fotos/Pläne: Daniel Zupanc - ©Archiv Tiergarten Schönbrunn ; ©Franz Zwickl

Projekt: Die Orang.erie in Wien

Tiergarten Schönbrunn: von der Orangerie zum Orang-Utan Gehege

Im Bereich des Schönbrunner Schlossparks, an der Maxingstraße, liegt – lange Jahre unerkannt – das älteste Palmenhaus von Schönbrunn, 1817 bis 1821 unter Kaiser Franz I. erbaut. Unerkannt deswegen, weil um 1900 das Gebäude anders genutzt und die charakteristische Eisen-Glas-Konstruktion zugemauert wurde. Seit 1920 fand das Gebäude für die Filmakademie Verwendung. Im Jahr 2000 brachte eine Machbarkeitsstudie von Wehdorn Architekten den Beweis, dass sich – eingemauert in der gartenseitigen Wand des Gebäudes – tatsächlich die gesamte historische Eisenkonstruktion im Original erhalten hat.
Die neue Nutzung als zoologisch-wissenschaftliches Zentrum mit einem Orang-Utan-Gehege ermöglichte es erstmals, dass der Wiener Tiergarten einen direkten Zugang von einer Straße her erhält. Die Verbindung mit dem historischen Tiergarten erfolgt über eine kurze, helle Unterführung, die unter dem dazwischen liegenden Botanischen Garten abtaucht.
Das Projekt ging von der Freilegung der beeindruckenden biedermeierlichen Eisen-Glas-Konstruktion aus. Die drei Risalite des Gebäudes legten eine Dreiteilung der neuen Funktionen nahe: Im linken Seitenrisalit ist der Eingang mit allen infrastrukturellen Einrichtungen samt einer kleinen Cafeteria untergebracht, im Obergeschoß liegen die Räume des Wissenschaftszentrums; im ehemaligen Mittelrisalit mit seiner Galerie sind ein großer Mehrzwecksaal und die Bibliothek des Zoos installiert. Im rechten Flügel – mit einem vorgelegten Freigehege – haben die Orang-Utans ihr neues Zuhause gefunden. Über eine straßenseitig gelegene Terrasse ist es den Besuchern möglich, im Rahmen von Sonderführungen über gläserne Boxen direkt in das Gehege einzutreten, um sozusagen „hautnah“ mit den Menschenaffen in Kontakt zu treten.
Die Wiederverwendung der originalen Eisenkonstruktion brachte große technische Probleme mit sich: Die alten Gusseisensäulen mussten innenliegend statisch verstärkt werden, wodurch aber auch die neuen beheizten Thermoglasscheiben in die Konstruktion eingebunden werden konnten. Besondere Sorgfalt war bei der Nutzung des südlichen Bauflügels für die Orang-Utans notwendig, wo ein siebenschichtig aufgebauter textiler Sicht- und Schallschutz die OrangUtans von den Menschen im Vortragssaal trennt.
Integrierender Bestandteil der neuen Nutzung ist eine dem Gebäude gartenseitig vorgelagerte Terrasse, die mit beweglichen Membranen überspannte Picknickplätze anbietet und so vor allem für die jungen Besucherinnen und Besucher des Tiergartens Schönbrunn – mit dem direkten Sichtbezug zum Freigehege der Orang-Utans – eine neue einladende Attraktion bildet.