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Das Palais Pereira in Wien

Das Palais Pereira in Wien

Data

  • construction time: März 2015 – November 2017
  • scope: Architektenleistungen inkl. örtlicher Bauaufsicht
  • builders: List Group Beteiligungsges.m.b.H.
  • projectarchitect: Andreas Call / Michael Mulavka
  • photos / plans: Klimt Sabine - © List Group

Project: Das Palais Pereira in Wien

Zur Wiederentdeckung eines Jugenstil-Caféhauses

Das Palais Pereira wurde 1841/42 nach Plänen des Ringstraßenarchitekten Ludwig Förster für den Großbankier Ludwig Pereira-Arnstein errichtet und zählt zu den schönsten spätklassizistischen Bauten im Herzen von Wien. Ella Zirner-Zwieback, die Eigentümerin des damals benachbarten Kaufhauses – der sogenannten „Maison Zwieback“ – ließ 1921/22 im Erdgeschoß des Palais Pereira, im Bereich der ehemaligen Stallungen, ein Caféhaus nach Plänen der Architektengemeinschaft Friedrich Ohmann und August Josef Kierstein einrichten. Rund achtzig Jahre nach seiner Schließung konnte nunmehr das Caféhaus mit seinem prächtigen Jugendstildekor unter dem nicht minder geschichtsträchtigen Namen „Café Sluka“ wieder eröffnet werden.
Zum Verständnis dieser „Wiederentdeckung“ muss erläutert werden, dass in den Räumlichkeiten des ehemaligen Caféhauses 1951 ein Nobelrestaurant („Zu den 3 Husaren“) etabliert wurde. Heute unverständlich, zog man damals in geringer Höhe Zwischendecken ein, wohl um „gemütliche“, kleinteilige Nischen zu schaffen. Das Innere der Räumlichkeiten wurde unterhalb dieser Zwischendecken komplett erneuert, darüber ließ man die gesamte historische Ausstattung bestehen.
Nach Schließung des Restaurants im Jahre 2010 suchte die heutige Eigentümerin, die List Group, nach einer neuen Nutzung für das Erdgeschoß des Palais Pereira. Im Zuge einer Bestandsbefundung, mit der Wehdorn Architekten beauftragt worden waren, konnte die mehr oder minder unversehrte Innenausstattung des ehemaligen „Café Zwieback“ oberhalb der Zwischendecken freigelegt werden. Aufgrund dieser „Wiederentdeckung“, die als kleine kunsthistorische Sensation zu bewerten ist, fiel umgehend der Beschluss, das alte Caféhaus wieder zu neuem Leben zu erwecken.
Die Festlegung des denkmalpflegerischen Konzeptes, die in bester Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt erfolgte, ging von einer wissenschaftlich fundierten und getreuen Wiederherstellung des gesamten Jungendstilinterieurs aus. Basis der Wiederherstellung waren Originalpläne, Originalfotos und Skizzen aus dem Nachlass Ohmanns, der im Archiv der technischen Universität Wien, aufbewahrt wird. Zentrale Räume in diesem Sinn waren das sogenannte „Spiegeloktogon“, der große Kaffeeraum, der Wintergarten und der sogenannte „Logenhof“, der von einer bemalten Eisen-Glas-Konstruktion überdacht ist. In diesen Räumen kann wirklich von einer Rekonstruktion gesprochen werden. Auch die Bezugsstoffe der Sitzmöbel wurden nach alten Darstellungen eigens für das neue Caféhaus nachgewebt.
In anderen Bereichen, zum Beispiel im Barbereich oder – verständlicher Weise – in der neuen Küche, forderte die Neunutzung eine zeitgemäße und funktionale Erneuerung der historischen Ausstattung.